Die erste Fahrt, Teil 2

Forstsetzung von Teil I

Hier sollten! auch die Batterien ersetzt werden

Ein Sportboot, das acht Meter Länge aufweist, verfügt als Verdränger1 über eine Rumpfgeschwindigkeit2 von ungefähr 13 km/h. Der MLK gestattet maximal 15 km/h, da ist also noch Luft nach oben. Die dieser Sportbootfahrer jedoch nie schnuppern wird. Warum besagter Kollege also ein Frachtschiff überholen musste, dass mit 12 km/h unterwegs war, bleibt (s)ein Geheimnis. Als unerfahrener Schiffsführer geriet ich durch diesen Sonntagsskipper jedenfalls in eine doch recht unerfreuliche Situation.

Ich näherte mich, mit den erlaubten 15 km/h dem Frachtschiff und dem schon mitten im Überholvorgang befindlichen Kollegen. Da der Sonntagsskipper sich mit seinem Boot schon im vorderen Drittel des Frachters aufhielt, setzte ich ebenfalls zum Überholen an – und kam dem scheinbar auf der Stelle verweilenden Sportbootfahrer immer näher. Der jedoch befand sich nun höchstens ein µ weiter vorne, als vor einer Minute. Und ich mich jetzt direkt hinter ihm. Nun erzeugt so ein gut 100 m langer Frachter eine ziemliche Bugwelle und die Sea Ray begann auf den Wellen zu tanzen. Und ich im Führerhaus zu schwitzen. Nun ist der MLK zwar ziemlich, aber eben nicht unendlich breit. Doch da die Sea Ray immer unleidlicher wurde und ich alle Mühe hatte, das Boot irgendwie auf Kurs zu halten, entschloss ich mich, in der dritten Reihe zu überholen. Die Sea Ray ist ein Gleiter3 und verfügt über 350 Pferdestärken. Also erhielt ich eine entsprechende Reaktion, als ich die Hebel ein Stück weiter nach vorne legte. Ich schaffte es sogar noch, im Vorbeifahren einen freundlichen Gruß zu meinem Sportbootkollegen herüber zu schicken. Dann ordnete ich mich adrenalingeschwängert vor dem Frachter ein, stellte die Hebel zurück und entfernte mich mit 15 km/h von diesem Ort des Schreckens.

So sollte es sein!

Wir näherten uns Minden und unsere Smartphones dem Funktionsende: der Saft ging uns aus. Ich hatte zwar einen USB-Adapter für den Zigarettenanzünder mitgenommen, doch der ist relativ sinnlos wenn die Batterien4, trotz laufender Maschinen, keinen Strom mehr abgeben wollen. Meine Nichte wollte ebenso nachhause telefonieren wie einst E.T. und auch der Schiffsführer hatte das Bedürfnis, der besten Ehefrau von allen mitzuteilen, dass alles in Ordnung ist zu sein schien. Wir lagen gut in der Zeit, also steuerten wir den Sportboothafen des MYC Minden an, MLK km 97.  Ich hatte bisher genau ein Anlegemanöver unfallfrei hinter mich gebracht, nämlich als wir unser Nachtlager in Bad Essen aufschlugen. Dort gab es eine ellenlange Kaimauer, diverse Festmachösen und -Poller und kein Schiff weit und breit. Da lässt es sich, auch für einen Hafenlieger, prima anlegen.

Der Sportboothafen des MYC ist da eine ganz andere Nummer. Einer schmalen Hafeneinfahrt folgt ein voll besetzter Hafen mit vielen Stegen, die fürchterlich dicht zusammenstehen. Ich schwitzte Blut und Wasser und steuerte mit minus drei km/h auf einen freien Liegeplatz zu, den ich nur unfallfrei erreichte, weil das Universum nicht nur Humor sondern auch einen guten Tag hatte. Und weil am Steg ein guter Geist stand, der uns sicher annahm und beim vertäuen der Sea Ray hilfreich zur Seite stand. Es war nicht der letzte gute Geist an diesem, von nun an immer böser werdenden, Tag …

Weiter mit Teil III

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1Verdränger u. 3Gleiter // 2Rumpfgeschwindigkeit 4Ich hatte beim Kauf mehrmals auf die Batterien hingewiesen. Ein weiteres Kapitel …

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