Der „Hafenlieger“ war nach den abgeschlossenen (naja) Arbeiten klar für die erste Ausfahrt der Saison. Christoph hatte sich geopfert bereit erklärt, mich zu begleiten und ein Auge mit auf alle Funktion etc. zu werfen. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnten: Wir hatten einen blinden Passagier an Bord: Murphy – ein Mann mit eigenen Gesetzen. Und heute hatte er sich das Echolot (Tiefenmesser) als Schwachstelle ausgeguckt …

Nun funktioniert so ein Tiefenmesser im Prinzip recht einfach: Er misst die Tiefe ab der Position, an der er installiert ist. Sofern kein „offset“ eingestellt wurde, aber dazu komme ich gleich. Beim „Hafenlieger“ ist diese Position nahezu am tiefsten Punkt des Kiels, am Heck. Ziemlich optimal also. Doch natürlich ragen die Antriebe über den Kiel hinaus, nach unten; eine gewisse Anzahl an Zentimetern – die dann natürlich von der am Echolot angezeigten Tiefe abgezogen werden müssen. Sinnvollerweise stellt man diese Anzahl an Zentimetern dann als „offset“ ein und weiß so, wieviel Wasser tatsächlich noch unter den Propellern zur Verfügung steht. Nun lässt sich, wenn das Boot im Wasser liegt, wirklich schlecht bis gar nicht messen, wie viele Zentimeter denn nun genau die Antriebe (mit den Propellern als tiefstem Punkt) noch unter dem Kiel herausragen – es sind also ungewisse Zentimeter, die man ergo auch nicht als „offset“ in das Echolot einprogrammieren kann. Natürlich hätte man eine ungefähre Anzahl an Zentimetern prophylaktisch programmieren können – aber bitte: Mann lässt halt einfach genug Platz und dreht rechtzeitig um, wenn der Wasserstand kritisch wird …

Wer dieses Blog aufmerksam verfolgt, wird sich an meine Erlebnisse am AKW Grohnde erinnern. Was soll ich sagen: Das AKW ist abgeschaltet, es saugt kein (kaum noch) Kühlwasser mehr aus der Weser und trotzdem habe ich es wieder geschafft, mir genau dort die „neuen“ Propeller erneut zu ruinieren. Jedenfalls so ziemlich – es ist diesmal nicht ganz so schlimm, wie beim ersten Mal. Denn die Kiesbänke gibt es dort immer noch und wenn mein Echolot 50 cm Wassertiefe anzeigt, reichen meine Propeller eben genau ein Stück tiefer, als nur bis zum Grund …

Was lernen wir daraus: mein „offset“ sollte 60 cm betragen und ich werde die neuen Propeller erst im Winterlager montieren. Denn eventuell schleicht sich Murphy ja noch einmal als blinder Passagier mit an Bord (die etwas ramponierten Propeller habe ich „gerichtet“ und sie werden, ausgenommen die schnelle Gleitfahrt, ihren Dienst noch gut verrichten in dieser, wieder einmal wasserarmen, Saison. Und so eine Verdrängerfahrt von A nach B dauert ja auch viel länger, man hat also einfach mehr Zeit auf dem Wasser :-).

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